Wer die Vergangenheit nicht ehrt, verliert die Zukunft;
Wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen.

Friedensreich Hundertwasser

1918 - Das Kriegsende rückte den Rhein und seine Ufer, die kein Kriegsschauplatz gewesen waren, in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Die militärische Besetzung des Rheinlandes blieb über ein Jahrzehnt lang der sichtbare Beweis für die deutsche Niederlage.
Die Franzosen unterwarfen das gesamte politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Pfalz ihrer Kontrolle. Sie riegelten die Region ökonomisch ab, stellten die Rheinschifffahrt und den Handel über den Fluss ein.
Mit dem Sturz der Monarchie in Bayern brach die dynastische Verbindung zwischen Bayern und der Pfalz, die noch auf das 13. Jahrhundert zurück ging, endgültig ab. Kurt Eisner rief in München den Freistaat Bayerns aus. In der Pfalz versuchten Separatisten eine autonome Pfalz zu bilden.
Durch den Versailler Friedensvertrag werden die Grenzen des deutschen Reiches neu festgelegt.
Das Saarbecken wird wird für die Dauer von 15 Jahren unter die Verwaltung desVölkerbundes gestellt, die Kohlegruben werden Frankreich übertragen.
Ein Großteil der Distrikte von Hornbach und Zweibrücken gehen verloren.
Als die Leute Milliardäre wurden, dennoch kein Geld hatten und im Wald Häuser bauten.
Wenn die Menschen in Deutschland in den Nachkriegsjahren viel entbehren mussten, an einem herrschte kein Mangel. Sie waren binnen 2 Jahren zu Milliardären geworden. Der verlorene Krieg und die viel zu hohen Reparationszahlungen an Frankreich brachten die totale Geldentwertung.


Am 9. Juni 1923 kostete in Berlin : Am 2. November 1923 :
1 Ei = 800 Mark 1 Ei = 320 Millionen Mark
1 Liter Milch = 1440 Mark 1 Liter Milch = 360 Milliarden Mark
1 Kilo Kartoffeln = 5000 Mark 1 Kilo Kartoffeln = 90 Milliarden Mark
1 Straßenbahnfahrt = 6000 Mark 1 Straßenbahnfahrt = 50 Milliarden Mark
1 Dollar entsprach = 100 000 Mark 1 Dollar entsprach = 4,21 Billionen Mark
Im Dezember 1923 wurde abgewertet : 1 Billion Mark zu 1 Rentenmark.

Ab Oktober 1924 galt die Reichsmark zu gleichen Werten.
Deutschland begann sich auch wirtschaftlich zu erholen.


Die Naturfreunde in Niederauerbach wurden 1922 gegründet.
Die Gründungsveranstaltung, bei Anwesenheit von 25 Personen fand im Lokal Sutter statt.
1. Vorsitzender wurde Weingärtner Daniel.

1923 fasste die Vorstandschaft den Beschluss, im Heilbachtal eine Schutzhütte zu bauen. Sie sollte auf einem gemeindeeigenen Grundstück erfolgen. Die noch herrschende Inflation mit der rapiden Geldentwertung machte dies aber unmöglich. Nach der Inflation hatte der Verein noch 24 Rentenmark in der Kasse.


" Naturfreundehaus und Harzbornquell macht
Herzen rein und Augen hell "

Getragen von einem großen Optimismus auf bessere Zeiten, mit großem Mut, wurde ein richtiges Haus geplant. 400 Rentenmark von Gönnern waren vorhanden. Das Harzbornhaus wurde 1924 / 1925 in eigener Regie, mit viel Eigenleistung errichtet.

Die Einweihung fand am 17. Mai 1925 statt.

Festredner war der Gauvorsitzende Robert Laub.


Pfälzischer Merkur vom 16.05.1925:

(Niederauerbach) Vielen Naturfreunden und Ausflüglern dürfte es noch nicht bekannt sein, dass der Touristenverein " die Naturfreunde " Ortsgruppe Niederauerbach - Zweibrücken am 17. Mai, in einem der schönsten Täler der Westpfalz am Harzborn im Heilbachtal, ein neues Heim dem öffentlichen Verkehr freigeben wird. Während auf der einen Seite die Stadt Zweibrücken aus ihrer historischen Vergangenheit noch so manche Sehenswürdigkeit aufzuweisen hat, die ein würdiges Gegenstück zu ihrer industriellen Entwicklung bildet, bietet auf der anderen Seite ihre nächste landschaftliche Umgebung eine reiche Fülle der schönsten Ausflugsziele nach allen Richtungen hin.
Es lag auf der Hand, dass unsere, in hiesiger Gegend noch junge Ortsgruppenbewegung nach einem Stützpunkt suchte, um diese Umgebung der Außenwelt in ihren Reizen und Schönheiten besser erschließen zu können.
Wohl eine der schönsten Partien des Westrichs bildet das in unmittelbarer Nähe von Niederauerbach gelegene Heilbachtal. In ihm in paralleler Abzweigung zu der Ohrenklingerklamm befindet sich eine waldige Felsschlucht von fast alpinem Charakter, vor ihr die Waldabteilung Repsrod, zur Seite das liebliche und anmutige Schauertal. Hier hat in dem Gewann des Harzborn-Brunn, das Heim Platz gefunden.
Nach unendlichen Mühen und Nöten in schwerster Arbeit entstanden, wozu durch Wirtschaftsnot bedingte finanzielle Bedrängnis kam, die oft das ganze Projekt in Frage stellte, soll das neue Heim ein Beweis dafür sein, was eiserner Wille und zähe Ausdauer vermag, es soll dem müden Wanderer Unterkunft, Erholung und Erfrischung bieten.
Das Haus ist 10 Meter lang 6 Meter breit, mit offener Veranda und aus Stein gebaut. Ein schöner Kellerraum dient als Lager und Verkaufsstelle. Ein herrlicher Brunnen 20 Meter vom Haus entfernt, kann jeden erquicken.
" Naturfreundehaus und Harzbornquell macht Herzen rein und Augen hell "
Das Heim wird nicht nur den Naturfreunden, sondern der gesamten Arbeiterschaft, wie auch ihrer Jugend, und allen Wandere zu Verfügung stehen, es wird ein leuchtendes Beispiel geben, welch hohe kulturelle Werte das arbeitende Volk auch in schwerer Zeit zu schaffen vermag; daher glaubt die Ortsgruppe bestimmt, damit rechnen zu dürfen, dass alle Freunde und Gönner, der edlen Sache an der Eröffnungsfeier am 17. Mai sich so zahlreich wie nur möglich beteiligen werden.
Ab 17. Mai ist das Haus täglich geöffnet Alles nähere durch Anzeige.

Touristenverein " Die Naturfreunde "

Ortsgruppe Niederauerbach - Zweibrücken

Einladung

zu der am Samstag den 16. und Sonntag den 17. Mai stattfindenden, feierlichen

Eröffnung des Harzborn - Hauses

im Heilbachtal bei Niederauerbach

Programm:

Samstagabend 8 Uhr Festkommers im Saale Sutter, Niederauerbach

Sonntag früh kleine Wanderungen und abholen der auswärtigen Vereine

Nachmittags 1/2 1 Uhr Aufstellung in der Bahnhofsstraße bei Wirt Sutter, Marsch zum Festplatz.

Dort selbst Begrüßung, Übergabe und Festrede, darauffolgend musikalische, gesangliche, turnerische Darbietungen, sowie Freilichttheater, Volkstänze, Schuhplattler usw.

Für Speise und Getränke ist bestens gesorgt. Wirtschaft in eigener Regie.

Der Festausschuß Die Vereinsleitung



Dies war also die Geburtsstunde der " Auerbacher Hitt ", wie sie seither von allen genannt wird.

 


Pfälzischer Merkur vom 8. Juli 1925.
Niederauerbach, 7. Juli ( Gemeinderatssitzung vom 4. Juli )
Anwesend 1. und 2. Bürgermeister und 16 Gemeinderäte, entschuldigt zwei Mitglieder.
Die Wirtschaftskonzession für die von den Naturfreunden in der Heilbach am sogenannten Harzbrunn neu errichtete Hütte wurde einstimmig befürwortet.

Mit der politischen Stabilisierung und dem wirtschaftlichen Aufschwung entwickelte sich ein reges Vereinsleben. Zu erwähnen wäre eine große Musikgruppe, sowie eine mitgliederstarke Jugendgruppe.
Daniel Weingärtner wurde 1928 von Willi Bier als Vereinsvorstand abgelöst.

1933
Die deutsche Naturfreundebewegung wird verboten, die Häuser werden beschlagnahmt, Funktionäre verhaftet.

1939 -1945 2. Weltkrieg

1946 - Die Heimatzeitung berichtet.
Am 24.8.46 fand im Lokal Sutter, Niederauerbach die Gründungsveranstaltung des Touristenverein - Die Naturfreunde -, Ortsgruppe Zweibrücken Niederauarbach statt. Der Verein ist ein Teil des internationalen Touristenvereins " Die Naturfreunde ", der 1895 in Wien gegründet wurde und seinen derzeitigen Sitz in der Schweiz hat. Die Ortsgruppe Niederauerbach wurde 1922 gegründet und verfügte schon 1925 über ein Eigenheim. Das Naturfreundehaus am Harzbrunnen in der Heilbach. Es verfiel, wie das übrige Vereinsvermögen, bei der Auflösung des Vereins 1933, der Beschlagnahme.
Mir der Neugründung übernimmt der Verein die Tradition einer machtvollen Kulturorganisation der organisierten Arbeiterschaft und wird sich getreu den alten Grundsätzen in den Dienst der erholungsbedürftigen Menschen stellen.
Naturfreund sein heißt auch Menschenfreund sein.

1948
Das Harzbornhaus konnte man von dem damaligen Besitzer ( der es während des tausendjähriges Reiches von den " Nazis " erworben hatte ) durch einen Mietvertrag vorläufig zurückbekommen.
Ludwig Denger wird Hausreferent.

1949 - Ein Schreiben des Vereins vom 7. April ging an das Landgericht Zweibrücken.
Unter anderem steht darin:

Der Touristenverein " Die Naturfreunde " e.V. war vor 1933 ein eingetragener Verein und ist auch heute wieder. Von den damaligen Mitglieder gehören 41 auch heute wieder dem Verein an. Der Gesamtmitgliederstand vor 1933 betrug zwischen 60 und 70 Personen. Berücksichtigt man, dass ein Teil während des Krieges gefallen oder gestorben und ein anderer Teil heute infolge hohen Alters nicht mehr dem Verein angehören, so kann man feststellen, dass fast alle Mitglieder von damals heute noch dem Verein angehören. Eine Aufstellung der Mitglieder , die wir beilegen, bestätigt das. Damit dürfte nach unsere Meinung und das ist auch die Meinung der gesamten Bevölkerung von Niederauerbach, Zweifeln an der Rechtsnachfolgerschaft nicht mehr bestehen. Um aber die Frage restlos zu bereinigen, hat eine zu diesem Zweck einberufene außerordentliche Generalversammlung Die Satzung wie folgt ergänzt :
Der Verein ist Rechtsnachfolger des im Jahre 1933 durch die Nationalsozialisten aufgelösten Touristenverein - Die Naturfreunde -, Ortsgruppe Niederauerbach e. V.
Zur Frage des Mehrwertes kann gesagt werden, dass ein solcher nicht vorhanden ist. Nicht der Wert im Zeitpunkt des Erwerbs durch Fuhrmann ist zu Grunde zu legen, sondern der Wert, den das Anwesen besessen hat zur Zeit, als es uns geraubt wurde.

Es geht um die Rechtsverhältnisse der " Auerbacher Hitt ".

Urkunde Nr. 204
Heute den zwanzigsten Februar 1950 erschienen vor mir, Justizrat Anton Mendel, Notar in Zweibrücken;
1. Frau Katharina Fuhrmann geb. Kuntz, Witwe des Weinhändlers Karl Fuhrmann
2. Herr Willi Bier, Zuschneider in Zweibrücken, Stadtteil Niederauerbach. Hier handelnd als Vorstand für den Touristenverein " Die Naturfreunde " Ortsgruppe Zweibrücken - Niederauerbach.
Das Grundstück Band 12, Blatt 530, Pl. Nr. 1840, wird gegen Zahlung von 1 000 Mark an die Naturfreunde übertragen
Das Anwesen und die darauf befindlichen Gebäude sind wieder Eigentum der Naturfreunde Niederauerbach

1955 - Schreibt die Tageszeitung Rheinpfalz
Niederauerbachs Naturfreundehaus als Sprungbrett nach Deutschland.
Zweiter Unterkunftsraum wird jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.
Seit Jahren schon hat es sich herumgesprochen, dass draußen am Harzborn hinter Niederauerbach ein Naturfreundehaus besteht, in dessen Nähe es keinen Straßenstaub und Autolärm gibt, der jene stören könnte, die den Weg durch das Heilbachtal zu der stillen Hütte im Schatten der Eichen und Buchen finden. Ohne Reklame ist es den Niederauerbacher Naturfreunde gelungen, den Kreis ihrer Gäste ständig zu vergrößern. Die Nachfrage wurde sogar so groß, dass man zur Erweiterung der Räumlichkeiten gezwungen war. Ein Neubau erwies sich als notwendig und schon seit einem jahr verfügt das Naturfreundehaus über nicht weniger als zwanzig komplette Betten. Viele wussten nicht darum. Dafür lernen Wanderer und Touristen, die aus Holland, Frankreich, aus dem Saargebiet und sogar aus England kommend, die Niederauerbacher Hütte als Sprungbrett nach Deutschland zu nutzen,
die Einsatzbereitschaft und die Tatkraft des Touristenvereinn umso freudiger zu schätzen.

1975 - Versorgung mit Netzstrom und Fernsprechanschluss

1977 - Küchenanbau und Abriss von " Onkel Toms Hütte ", ein Überbleibsel aus dem dritten Reich, vom damaligen Besitzer Karl Fuhrmann aufgestellt.
Die Bewirtschaftung wird von unteren Haus, die " Hitt ", in das obere Gebäude verlegt.

1985 - Ausbau des Dachgeschosses mit Übernachtungsplätzen.

1989 - Das Haus bekommt sein jetziges Profil.
Bei der Mitgliederversammlung im März konnte Vorsitzender Willi Richter das baldige Ende der Umbaumaßnahmen verkünden.
weiter führte er aus;
Das Herzstück der gemeinsamen Arbeit ist die Eigenbewirtschaftung des Harzbornhauses.
Ein Naturfreundehaus wird von Naturfreunden bewirtschaftet.

1991
Das vorläufig letzte Kapitel einer langen Erfolgsgeschichte der " Auerbacher Hitt " wird am 1. 12. geschrieben.
" Die Naturfreunde der Ortsgruppe Zweibrücken haben nach einer fast siebzig Jahre währender Tradition einen Schnitt vollzogen. Sie gaben zum ersten Dezember die Eigenbewirtschaftung auf."


Karl Müller im Dezember 2012

 

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